FEUER UND GLUT
In den letzten zwei Jahren haben viele oft von der „Wiederkehr der Religion“ geredet und geschrieben, aber wahrscheinlich war das nur ein Thema für die Medien. Ein Thema, wie man viele Themen macht.
Wirkliche religiöse Betroffenheit oder religiöses Ergriffensein in der religiösen Gemeinschaft oder Kirche gibt es immer weniger. Die Kirchen leeren sich immer mehr. Es bleiben fast nur noch Alte. Die wenigen jungen Menschen sind komisch oder kommen sich komisch vor. Das Ritual erreicht die Menschen nicht mehr. Es wird zudem häufig so dürftig vollzogen, dass man mehr davon hat, wenn man wegbleibt und es nicht mehr mitvollzieht.
Ob aber die Menschen auch als Individuen, als Einzelne ihre religiösen Bezüge und Bedürfnisse verlieren, ist schwer zu sagen. Sicher gehen viele im äußeren Management ihres Lebens und ihrer Vergnügungen auf.. Ebenso sicher ist, dass eben so viele zugleich immer unzufriedener, unglücklicher, heimatloser und unsteter werden..
Sicher suchen manche einen individuellen religiösen Weg. Sie suchen den Schutz von Engeln oder personifizieren seelische Kräfte als Engel, um sich diese Kräfte vertraut zu machen. Viele schließen sich Suchbewegungen an und gehen alte Pilgerwege. Sie suchen eine Tiefe, die sie vorerst in sich nur ahnen, auf die sie aber nicht verzichten möchten. Einfach leben, ist viel zu wenig, vor allem wenn das Leben an seine Ränder gerät.
Die Welt ist – trotz oder gerade wegen des Klimawandels – kalt geworden, und die Menschen erkalten immer mehr, auch wenn sie sich erhitzen.
Die religiöse Tradition ist ebenso kalt geworden, steif, hart, alt.
Aber es ist noch GLUT da. Und Glut ist immer gut, ein Feuer anzuzünden. Lege ich mich als kaltes Scheit in die Nähe der Glut, fange ich Feuer.
Große Feuerwellen begannen immer mit der Bekanntschaft der Glut. Augustinus hörte „Nimm und lies“ – und entdeckte die alte Glut im alten Wort der Schrift neu. Luther las und verstand Paulus nach 1500 Jahren – und es war bald ein Feuer da, das ganz Europa verwandelte.
Wir haben einen Fundus an alten Geschichten, die die Bibel erzählt, aber die nur noch wenige kennen. Die Kinder wachsen nicht mehr mit ihnen auf.
Zwischen den Zeilen dieser Geschichten aber schwelt die Glut.
Vor einigen Jahren erschien ein kleines Büchlein. Ein Bilderbibelchen ohne Worte für die Hosentasche von Kleinkindern. Kindliche Bilder, die Szenen darstellen, die fragen machen: Was geschieht da? Warum und wozu geschieht es?
Die Betrachter leben in diese Bilder hinein. Sie fangen Feuer, lassen sich von einer Glut anstecken, entdecken in sich selber die gleiche Glut und sind Feuer und Flamme.
Nur leben, ist zu wenig. Immer mehr zu leben, ist immer weniger. Eine Liebe in sich lebendig zu halten, Glut zu entdecken, Feuer zu werden – darauf kommt es an, wenn das Leben gelingen soll.
In loser Folge möchte ich die Bilder des eben erwähnten Büchleins erzählen: Adam und Eva begegnen, Kain und Abel, Noah, Abraham, Moses, David, Jona, Jesus, Paulus, Petrus…
In allen brennt dieses Feuer – auf gleiche und verschiedene Weise. Manchmal ist für uns nur noch Glut spürbar. Aber sie will Feuer werden, auch wenn ich mich ihr nur als Holzklotz nähere. Gerade dann.
Donnerstag, 1. Januar 2009
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