Dienstag, 27. Januar 2009

Das Goldene Kalb Exodus 32 - 34

4. Glutpredigt: Die Geschichte vom Goldenen Kalb

Liebe Gemeinde,

der Überlieferung nach ist das Volk Israel 40 Jahre lang durch die Wüste gezogen bis eine ganz neue Generation herangewachsen war, die ins sog. „Gelobte Land“ einziehen durfte.
Spätere Generationen haben in diese 40 Jahre Wüstenzeit alles hineingelegt, was sie eigentlich erst selbst erlebten. Diese 40 Jahre wurden zu einer idealtypischen Zeit. Sie galt als Brautzeit Israels. Alles, was in dieser Zeit geschehen ist, ist ein Typus. Es kann jederzeit wieder geschehen und es ist so geschehen.

Der Prophet Hosea schildert in höchsten Tönen die Liebe und Sorgfalt, mit der Gott Israel in jungen Jahren auf den Armen durch die Wüste getragen hat. Das erscheint ihm wie ein Kontrast zu seiner Gegenwart, in der das Volk von Gott zunehmend abfällt.

Aber auch solch einen Abfall hat es in der Idealzeit Israels schon gegeben. Bekannt ist die Geschichte vom „Goldenen Kalb“. Was ist da passiert?

Moses war auf den Berg gestiegen. Er war in die Wolke hineingegangen, um dort Gott zu begegnen. Aus dieser Begegnung hat er die 10 Grundgebote für das Leben gebracht.

Wir hören, dass Moses zwei Tafeln mit brachte. Auf der einen standen die Gebote, die das Verhältnis der Menschen zu Gott regeln. Auf der anderen Tafel standen die Gebote, die das Verhältnis der Menschen untereinander regeln.

Das 1. Gebot lautet bekanntlich: Ich bin dein Gott! Keine Götter neben mir!
Das 2. Gebot: Kein Götterbild machen! Aber auch kein Gottesbild!

Dabei war die Welt und ist die Welt doch voller Götterbilder. Streng genommen ist ja jedes Wort, das wir über Gott sagen oder mit dem wir Gott bezeichnen, ein Götterbild. Wir machen uns in menschlichen Worten Gott greifbar. Ob wir ihn Vater oder Mutter rufen, Herr, König oder Hirte nennen – immer ist es ein „Bild“ von Gott, zu unserer Hilfe.

Das Umgekehrte gilt aber auch: Wenn Gott sich uns zeigen will, muss er eine Gestalt wie ein Bild oder ein menschliches Wort nutzen, das wir verstehen können. Alles andere würde uns nichts nützen. Gott, wie er ist, könnten wir nicht verstehen. Jedes Bild, jedes Wort, das Gott für sich erwählt, ist eine Hilfskonstruktion. Das wird erst anders, wenn Jesus Christus als lebendiger Mensch das Bild Gottes, die Ikone Gottes wird. Vorerst ist Gott selber immer noch anders als alle Begriffe und Bilder. Er ist transzendent, jenseits aller Bilder.

Trotzdem: Bilder sind nötig. Sie sind unumgänglich. Ohne sie könnten wir gar nicht von Gott reden. Zugleich steckt eine Gefahr in ihnen, weil sie Gott zu umgänglich machen. Sie legen ihn fest auf den einen Aspekt, den das Bild bezeichnet. Jedes Bild macht Gott kleiner als er ist. Verlässt man sich ganz auf das Bild und seine Botschaft, so sieht man am Ende womöglich nicht mehr Gott sondern nur Götzen.

Deshalb sind die Bilder, die Israel für Gott findet – wenn schon Bilder sein müssen, so geheimnisvoll. Sie wollen die Freiheit und Jenseitigkeit Gottes einfangen oder besser: umschreiben. So ist er dann also im Feuer, aber in einem, das nicht verbrennt. Oder er ist in der Wolke, die nur vorübergeht, die sich ins Nichts auflöst und plötzlich wieder aus dem Nichts erscheint, die aber immer verhüllt, was sie bezeichnet. Oder er ist im leeren Raum, im „nichts von alledem, was Menschen fabrizieren“, in der Leere der Bundeslade oder später im leeren Tempelraum. Oder Gott ist – paradox – im Schweigen zu hören, in der Stille wahrzunehmen – wie Elia es am Horeb erfährt..

Gott ist unverfügbar, aber er verfügt. Das schützt das Bilderverbot. So alleine bleibt er der einzige Gott, wie es das 1. Gebot verlangt.

Weil Moses nun zulange in diesem Geheimnis, in der Wolke auf dem Berg verweilt, langweilt sich das Volk und wird ungeduldig. Sie möchten einen handfesteren Gott und für einen solchen Gott geben sie alles Kostbare, was sie haben: ihr Gold, ihr Vermögen, ihren Erfolg, ihre Kraft und Stärke, ihre Fruchtbarkeit. Was dabei herauskommt, ist ein goldener Stier. Er wächst aus diesem Schmelzvorgang. Eigentlich sind sie selbst dieser Stier, in ihrer größten und mächtigsten Potenz. Er ist ein Bild ihrer selbst – und eben nicht ein Bild Gottes.

Der Stier, d i e s e r Gott hat uns aus Ägypten herausgeführt – sagen sie jetzt. Das heißt aber: wir selbst haben uns herausgeführt. Wir haben uns befreit und nicht mehr Gott, wie Moses sagt.

Als Moses zurückkehrt, begreift er sofort, was geschehen ist: nicht mehr Gott steht an 1. Stelle. Sie haben sich selbst zum Götzen gemacht und in die Mitte gestellt. Sie kreisen im Tanz um ihre eigene Stärke, um ihr eigenes Gold. Man wird aber auch zu dem, was man lange umkreist oder was man lange ansieht. Es färbt ab. Schon tragen sie alle die Amulette der Potenz und Stärke an sich.

Es gibt nur einen Weg, den ganzen Spuk wieder los zu werden: Was sie aus sich herausgesetzt haben, was sie aus sich heraus erfunden haben, was sich so ergeben, gebildet hat, das müssen sie in sich zurücknehmen. Sie müssen erkennen, dass es nichts als Dreck ist. Deshalb zerstampft und zerreibt Moses das Götzenbild. Er vermengt den Goldstaub mit Wasser und dieses Gebräu müssen sie trinken. Sie müssen es in sich zurücknehmen, und es ist nichts als Dreck, um nicht drastischer zu reden.

Moses aber geht wieder in die Wolke hinein, in die Dunkelheit Gottes, ins Nichts. Dann kehrt er mit einem Glanz auf dem Angesicht zurück, den kaum jemand ertragen kann. Es ist der Abglanz Gottes. Auch hier gilt: was man lange anschaut, zu dem wird man.

Wer lange und nur ins Fernsehen schaut, wird langsam so, wie die Charaktere in den Soaps und Krimis.
Wer in sein Auto vernarrt ist, wird langsam selbst zur Maschine.
Wer nur Sparkassenbücher liest, vergöttert sich zum Geld-Götzen.

Wer Gott anschaut, den überzieht ein Glanz.

Was die Bibel da schildert, ist nicht eine archaische Geschichte aus grauer Vorzeit. So passiert es leider immer wieder. Gott ist ungreifbar. Man muss lange, lange ins Nichts hineinspüren, bis er uns ergreift, erwählt, beruft, bis wir seine Zeichen verstehen und deuten können.

Vielen ist das zu mühsam. Sie machen sich lieber Götter, auch wenn das alles nur Exponate, Ausstellungsstücke ihrer selbst sind. Sie stellen sich selber lieber gerne in den Mittelpunkt und wollen ihr eignes Leben bestimmen und das der Welt. Sie warten nicht gerne, sondern tun und machen.
Das geht eine zeitlang gut. Aber nur eine Zeit lang. Dann gibt es Chaos oder Krieg. Krisen eben, lebensbedrohlicher Art.

Es gibt nur einen Weg zur Erlösung. Wir müssen alles Exponierte in uns oder überhaupt u n s zurücknehmen. Wir haben zu erkennen, dass wir es sind, die das so machen, und wir haben zu erkennen, dass es so ein Irrweg ist.

Einmal erkannt, ist es gebannt – und der Glanz Gottes kann sich verbreiten. Allerdings: GOTT ist nicht in Bildern, auch wenn sie noch so schön sind. Gott ist auch nicht in Bild-Worten – seien sie noch so sensibel und poetisch. Er ist auch nicht in herrlichen Räumen zu fassen. Gott ist immer anders. Er berührt uns und führt uns auf e i g e n e Weise. Er spricht sein eigenes Idiom zwischen den Zeilen und in den Worten.

Unsere Worte, mit denen wir unsere Erfahrung nachsingen, sind nur Verweis. Sie sind bestenfalls der Finger, der zum Mond zeigt, nie aber der Mond selber. Auf den Mond selber aber kommt es an,- egal, ob er voll leuchtet oder im Dunkel verborgen ist, ob er geht oder kommt.

AMEN

Dienstag, 20. Januar 2009

3. Glutpredigt - Exodus

Der Auszug aus Ägypten - Exodus 13f

Liebe Gemeinde,

unsere Glutpredigten entwickeln sich als Fortsetzungsgeschichte. Bis jetzt haben wir uns zweimal mit Moses und seinen Erfahrungen beschäftigt. Zuletzt ging es um die Gottesoffenbarung oder die Gottesbegegnung im brennenden Dornbusch. Wir haben dabei einiges über Gott erfahren, z.B. dass Gott äußerlich oder innerlich erfahren werden kann. Der Dornbusch kann v o r Moses stehen, er kann aber auch ein Bild für Moses selber werden.

Weiter: Gott zeigt sich, aber er verhüllt sich auch zugleich. Er nennt seinen Namen, indem er ihn verschweigt.
Wichtig allein ist, dass Gott ist, der er ist. Er behält sich vor zu sein, wie er jeweilig sein will. Gott ist m e h r als die Vielfalt des Lebens und nicht weniger. Er ist auf keinen Fall „an und für sich“ d.h. losgelöst, abgetrennt zu verstehen. Er ist i m Geschehen – und das ist vielfältig, wechselnd, variantenreich.

Das Wichtigste aber ist, dass Gott sich an Menschen und ihre Geschichte bindet. Er ist zwar nicht sosehr auf einen Ort festzulegen, aber eher schon in der Zeit zu finden, in einem bestimmten Moment oder Kairos.
Weil das so ist, erlebt Moses Gott auch nicht abstrakt sondern konkret. Gott schauen und einen Auftrag hören – das ist eines.

Damit sind wir bei einem neuen Thema.
Führe mein Volk in die Freiheit, sagt dieser Gott zu Moses.

Volk?! Das war ja gar kein Volk. Das war vielmehr eine kleine bunte Truppe, ein Clan, einige Sippen, eine Nomadenschar, die gewissermaßen von den Ägyptern eingefangen worden war, und die versklavt gehalten wurde, um Steine zu klopfen und Pyramiden zu bauen.
Dieses Völkchen plant keinen Aufstand und keine Revolte. Aber sie wollen weg. Nur weg aus dieser Sklaverei.

Moses war orts- u. wegekundig und er führt sie unter klimatisch günstigen Bedingungen durch den Sumpf, durch einen Meeresarm in die gegenüber liegende Sinaiwüste. Ihr Marsch glückt. Die nachsetzenden Ägypter kommen im Sturm und im Sumpf um.

Zufall, Glück nennen wir das vielleicht. GOTT hat das getan, sagen die Leute um Moses. Das ist ihre Interpretation.

Moses Schwester Miriam nimmt eine Trommel und singt ein Lied aus einem Satz nur bestehend, aus einer Formel. Sie wird zum Bekenntnis: Lasst uns dem Herrn singen, denn ER hat eine herrliche Tat getan. Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.

Diese Tat Gottes ist zum Grund- u. Urbekenntnis Israels geworden: Gott hat aus Ägypten befreit, aus der Knechtschaft, aus der Sklaverei und Menschenschinderei. So einer ist GOTT.

Dieser Moment war eine Schaltstelle der Welt- u. Menschheitsgeschichte, der ganzen Geistes- u. Religionsgeschichte. Warum?

Weil sich eine Perspektive ändert.

Bisher - und natürlich weitgehend auch danach – hatte man die ganze Weltgeschichte immer aus der Perspektive der Sieger und Mächtigen gesehen – eben aus der Perspektive der Ägypter. Von oben ordnete sich die Welt. Von oben kamen die Bestimmungen und Gesetze. Es galt, sich in diese Ordnung einzufügen.

Wie die Welt von unten her aussah, wie die Gedemütigten und Versklavten sie sahen, das interessierte niemanden. Das stand in keinem Geschichtsbuch. Das war so unbedeutend wie die Leute, die es erlebten. Es war marginalisiert, an den Rand gedrückt oder unterdrückt. Die Sichtweise von unten wurde mit den Betroffenen zugleich unterdrückt.

Aber nun war sie ans Licht getreten. Nun ließ sie sich nicht mehr auslöschen.

Da ist eine dynamische Kraft Gottes sichtbar geworden, die als unruhige, fast revolutionäre Kraft in den Menschen wirksam wurde. Die Propheten haben dann in diesem Geist gepredigt. Amos z.B. hat die Welt aus der Perspektive der Witwen und Waisen gesehen.. Hiob hat sein Leid als ein psychisch und physisch Gequälter zum Himmel geschrieen. Und schließlich hat Jesus die Welt und die Menschen aus der Perspektive des Kreuzes erlebt. Ostern ist dann nichts anderes als ein neuer Auszug aus Ägypten. Jetzt aber definitiv - selbst noch aus der Unterdrückung durch den Tod und das innere Leid.

Leider – oder natürlich – ist dieser Befreiungszug oft vergessen worden. Seit mindestens 1500 Jahren sind die Christen im sog. Abendland die herrschende Schicht. Die Christen sind zu Ägyptern geworden und haben oft die Perspektive von unten verleugnet und vergessen.

Aber wie eine Glut hat die Perspektive das Feuer auch immer wieder neu entzündet. Manchmal ist es sogar wieder zu einem Großfeuer geworden. Martin Luther King hat in derselben Perspektive die Farbigen Amerikas in die Freiheit und Gleichberechtigung geführt. Ein Weg , der heute mit B.Obama zum richtigen Ziel führt und so vielleicht endet. Die Befreiungstheologen in Südamerika haben den Landlosen gesagt: Ihr seid Gottes Volk. Unser Auszug aus Ägypten steht uns zwar noch bevor, aber er wird geschehen.

Schön und gut. Das sind große Beispiele. Aber was ist mit uns? Sind wir Ägypter oder sehnen wir uns nach Freiheit? Oder sind wir beides zugleich: mal so, mal so? Eine Antwort auf diese Frage fällt uns schwer.

Was versklavt uns denn?

Wirtschaftlich mag es den meisten ja noch ganz gut gehen. Trotzdem verschleiern wir viele Abhängigkeiten ja nur. Manchmal spüren wir sie an unseren unangenehmen Gefühlen. Ganz wohl ist uns nicht. Die Zeichen der Zeit malen uns Warnungen an die Wand. Es stimmt etwas nicht mit uns. Wir spüren es wohl und immer unangenehmer.

Vielleicht sind wir aber eher psychisch versklavt. Da hängen viele Stunde und Stunde vor dem Fernseher oder dem Computer. Obwohl man so unzufrieden ist, mag man es nicht ändern. Der Druck auf den Ausknopf wäre dann auch so etwas wie ein Exodus. Aber wer gibt uns das Zeichen zum Aufbruch? Wie brechen wir aus falschen Gewohnheiten auf?

Gott führt ins Freie. Seit Moses wissen wir das. Die Israeliten in Ägypten liefen wie in einer Tretmühle. Immer dasselbe: Steine klopfen und kein Ausweg.

Doch! Es gab ein Neues. Sie brechen auf, auch wenn ihnen niemand goldene Zeiten verspricht. Deshalb sehnen sie sich später auch so oft zurück. Schönfärberisch sagen sie oft, dass es in Ägypten doch so gut war. Hier, in der Wüste, sind auch nur Steine.

Es stimmt: Kein Aufbruch, der wirklich ins Freie führt, ist ein Zuckerschlecken. Das Land, in dem Milch und Honig fließen, ist immer fern. Ein Aufbruch ist immer Arbeit und ungewohnt. Aber er ist wenigstens ein Weg und keine Tretmühle, die nicht weiterführt. Er führt gerade hinaus, und am Ende winken doch Milch und Honig.

Auf dem Weg aber ist Gott zu finden. Gott geht mit! In den Tretmühlen ist Gott definitiv nicht oder nur sehr eingeschränkt. Gott ist auf dem Weg, auch wenn er steinig und steil ist.

Das wissen wir seit Moses. Es ist die Wahrheit. Wir vergessen sie nur oft und nehmen soviel hin. Wir nehmen Bindungen in Kauf, ohne glücklich zu sein.

Wenn wir aber aufbrechen, sollten wir wie Miriam die Pauke nehmen und singen wie Miriam.
GOTT ist dabei – in jeder Wolke am Himmel und in jedem Feuer oder in jedem Stern in der Nacht.

AMEN

Montag, 19. Januar 2009

Sonntag, 11. Januar 2009

2. Glutpredigt - Der Dornbusch - Ex 3

GOTT und der brennende Dornbusch – Exodus 3

Liebe Gemeinde,

beim letzten Mal haben wir uns ein erstes Mal mit Moses beschäftigt. Dieser Mann ist nun nicht nur irgendjemand aus der langen Geschichte der Menschheit, irgendein herausragender Einzelner – Moses ist ein Prototyp des Menschen. Er ist ein Modell, an dessen Erfahrungen wir unsere Erfahrungen messen können.

Wir haben von der Gefährdung des Kindes gehört. Um ein Haar wäre Moses ja schon als Kind umgekommen. Aber genau durch die Tiefe dieser Gefährdung hindurch wird das Kind gerettet, kommt es sogar in höchste Kreise – zum Pharao, um zu lernen mit der Macht umzugehen.
Moses wird also zuerst ein Machtmensch, der sich allerdings so in Macht und Gewalt verstrickt, dass er im Aufruhr einen Ägypter erschlägt und fürchten muss, von seinen eigenen Leuten denunziert zu werden.

Diese Richtung zeigt keinen Weg an. Wieder gibt es also einen Knick in der Biographie des Moses. Er flieht zu einem Nomadenvolk in die Wüste und heiratet in die Familie des Stammespriesters ein. Er selbst ist aber dort nicht mehr als ein Hirte – und auch nicht weniger. Das ist nicht unbedeutend für alles Folgende. Diese Zeit wird für ihn so etwas wie eine Lebens- u. Willensschulung.
Als Hirte hat er nichts anderes zu tun als den Schafen und Ziegen zu folgen. Alles läuft nicht mehr unbedingt nach seinem Willen, sondern nach dem der Tiere. Er hat sich vorerst einem fremden Willen zu überlassen und muss ihm beschaulich und geduldig folgen.

Da aber – und gerade jetzt – tritt Gott in sein Leben.

Wahrscheinlich hat Moses bei diesem Wüsten-Nomadenvolk einen neuen Gott kennen gelernt. Das klingt, als hätte er ihn dort studiert oder durch seine Gedankenkraft gewissermaßen erst gestaltet oder gar erfunden. Aber so schlicht ist es nicht.

Er hat diesen Gott erfahren, erlebt. Das hat sein Leben verändert. Aufgrund dieser Erfahrung wurde er zum Religionsstifter. Ohne Moses und seine religiöse Erfahrung wäre die Weltgeschichte anders verlaufen.

Was aber war das für eine Erfahrung?

Nun, wie gesagt: Moses läuft willenlos, nicht zielgerichtet, sich dem Lauf des Lebens und des Alltags überlassend in der Wüste umher- und das ist eine ziemlich reizarme Gegend. Genau da- im Leeren -passiert ihm die Gottesbegegnung.
Ist das nun ein äußeres, objektivierbares Geschehen, so wie es in der Bibel dargestellt wird? Oder ist es ein inneres, subjektives Geschehen im Herzen oder im Bewusstsein des Moses? Passiert da etwas objektiv Sicht- u. Greifbares, oder ist es „nur“ eine Bewusstseinsveränderung des Moses, die einen sichtbaren Persönlichkeitswandel nach sich zieht?

Folgen wir zuerst der Bibel. Aber schauen wir genau, was da passiert.

Moses sieht einen Dornbusch. Einem solchen nähert man sich nicht gerne. Er bietet keinen Schatten und liefert kaum Früchte. Man dringt nicht in ihn ein, ohne empfindlich und gefährlich verletzt zu werden.
Dieser Dornbusch brennt, und er brennt auch wieder nicht. Er verbrennt nicht.
Auch ein Feuer hält man lieber auf Abstand. Man berührt es besser nicht, wenn man selbst unbeschädigt bleiben will.

Doch gerade dieses eigenartige Phänomen zieht Moses an. Es spricht zu ihm. Es ruft ihn an – und Moses hört. Er lauscht geradezu in diesen Dornbusch und in dieses Feuer hinein.

ICH bin dein Gott – spricht es aus dem Feuer.
Und wie heißt DU? – fragt Moses.
JHWH - ICH bin da, antwortet es.

Das ist eigentlich gar kein Name, sondern eher eine Namensverweigerung. Als würde das Feuer sagen: Frage nicht nach dem Namen! Du musst mich nicht mit einem Namen rufen. Es genügt, dass ICH da bin, dass ich präsent bin. Dass ICH für dich da bin. Ich bin mit dir.
Es ist also eine Beziehung da. Die wird dir helfen.
Gott ist nicht allgemein, nicht theoretisch, nicht beziehungslos da. Er ist Beziehung und die i s t da.

Und jetzt geh zum Pharao und führe mein Volk, diese Sklavengruppe, in die Freiheit! – sagt die Stimme weiter.

Die Beziehung stiftet eine Berufung. Sie erteilt einen Auftrag. Sofort.


Was ist das für ein merkwürdiger Gott? Man kann ihn nicht ansehen, man kann ihn nicht fassen, ihn nicht ergreifen, schon gar nicht in ihn dringen. Man kann ihn nicht rufen. Aber er ist da. Er ist mit dem Moses.

Vielleicht sogar i n ihm?

Moses wagt auch gar nicht, ihn anzusehen, und er schaut auch nicht ins Feuer, er vergeht nicht darin. Er hat vielmehr seine Schuhe ausgezogen, denn er bewegt sich – wie er spürt - hier auf heiligem Terrain. Und er hat seinen Schal über den Kopf gezogen. Es ist, als ginge er ganz in sich.

Es sieht aus, als wäre das also doch ein innerer Vorgang. Es könnte sich alles doch im Herzen oder in der Seele des Moses abspielen. Gott ist ja nicht da, wie andere Gegenstände oder andere Lebewesen. Er ist nicht da wie ein Ding neben anderen. Wenn Gott erscheint, erscheint eine andere Ebene. Dann ist diese oder ER immer i n den Dingen da oder i n den Geschehnissen – also auch i n Moses und i n dem, was er erlebt. Könnte das ganze Geschehen nicht insgesammt ein äußeres Bild für ein inneres Geschehnis des Moses sein?

Wie also, wenn Moses selbst der Dornbusch wäre? Viel mehr Wert als ein Dornbusch ist er ja auch nicht, der Mörder und Flüchtling, der gebrochene Hirte. Aber dieser Dornbusch, dieser Moses, steht in Flammen. Er ist entzündet von Gott.
Und das merkt er auch: dieses Erleben kann ich nicht ergreifen und festhalten. Ich kann es nicht manipulieren und benutzen. Vielmehr ist diese Kraft in mir, sie begleitet mich, sie ist für mich da – und sie sagt mir, was ich tun kann und soll: ein Volk jetzt in die Freiheit führen.

Moses hat Gott erfahren – und er hat das in sich und in seinem Leben erlebt. Es ist unverfügbar. Es ist ein Feuer in ihm. Das ist seine Gewissheit.

Das alles hören wir wie eine Geschichte aus einer fernen Zeit. Aber es ist inzwischen auch nicht anders geworden. Gott erfährt man nach wie vor nicht „pur“, als stände er außer uns, neben uns. Als könnten wir ihn benutzen, wenn wir ihn brauchen und wegstellen, wenn er seinen Dienst getan hat.
Er ist in uns und mit uns da. Er wirkt durch mich und in mir. Er entzündet mich. Er entflammt.
Das spüren wir nicht immer. Deshalb sagen wir: Ich habe keine Gotteserfahrung. Ich weiß gar nicht, was das ist. Ich kann es ja auch nicht machen. Wenn ich es so versuchte, käme es mir wie pure Einbildung vor.
Möglicherweise aber sehe ich an dem Dornbusch in mir immer nur vorbei, oder ich gehe vorbei. Ich trete eben nicht wie Moses mit bloßen Füßen vorsichtig näher. Ich denke vielmehr, dass es da gar nichts gibt, dass ich alles allein machen muss, dass Gott eben nicht da ist.

Genau in solchen missratenen verrannten Situationen können wir eine Gotteserfahrung machen.
Wenn sich ein Problemknoten nicht löst, trotz aller Anstrengung – und dann löst er sich doch, einfach weil ich losgelassen habe und eine Nacht darüber geschlafen habe – ist das eine Gotteserfahrung oder nicht?! Ich habe dem anderen Raum gegeben. Der Dornbusch kann sich zeigen – auch in Flammen.

Oder wenn eine erstarrte Seele in Bewegung gerät durch Liebe, Mitleid, Güte, Barmherzigkeit,- was ist das anderes als eine Regung der Gottesflammen in mir?

Manchmal bekommen wir Angst vor diesem inneren Feuer. Am liebsten würden wir es sofort wieder löschen. Erinnern wir uns dann an den Dornbusch: Gott entzündet, aber er verbrennt nichts. Der Dornbusch brennt, ohne zu verbrennen. Es ist nichts zu befürchten.

Dennoch zweifeln viele Menschen an Gott. Manche verzweifeln sogar, weil sie mit dem Unglück in der Welt, den Katastrophen und dem Unrecht nicht zu Rande kommen. Einen gütigen Gott, der zugleich allmächtig ist, kann es im Rahmen der menschlichen Logik nicht geben. Dafür gibt es zuviel Unglück in der Welt. Der Verstand hätte es gerne, dass es einen Gott gäbe, der nur menschengenehme Ordnungen schafft. Die Welt ist aber nicht rational geschaffen. Einen Sinn in dem allen erkennen wir erst – vielleicht -, wenn wir den reinen Verstandeszugriff loslassen. Den Dornbusch, das Feuer kann man nicht fassen, nicht berechnen, nicht zwingen – und es macht trotzdem Sinn. GOTT ist eben zuerst feurig – und dann gütig und allmächtig in seiner Feurigkeit.

Es ist ein gewaltiges Thema, wenn wir uns die Frage stellen, wer Gott ist und wie er ist, wie wir ihn erfahren können.
Ein jeder und eine jede muss da seine und ihre Erfahrungen machen – und wir müssen darüber reden, wenn wir uns gegenseitig helfen wollen. Keiner übersieht alles, jeder sieht nur einen Teil.
Nur eines ist klar: Wenn es um Gott geht – wir werden ihn nicht ergreifen, sondern er ergreift uns. Eine günstige Voraussetzung wird es sein, sich in inneren und äußeren Wüsten dem Lauf des Lebens – willenlos – zu überlassen. Wenn wir dem brennenden Feuer dann nahe kommen, sollten wir unsere Schuhe ausziehen und uns in ein Tuch hüllen. Wir müssen mit Ehrfurcht in uns hineinsehen, dann werden wir mehr vom Feuer Gottes, das nicht verbrennt, in uns und unserem Leben erleben.

AMEN

Montag, 5. Januar 2009

1. Glutpredigt - MOSES

Der Mann Moses - eine Predigt im Advent,aber auch sonst…

Liebe Gemeinde,

Was ist eine Glutpredigt?
Jede Predigt sollte eigentlich eine Glutpredigt sein. Wieso?

Wer sich an ein offenes Feuer erinnert, der weiß, dass aus dem hell-u.hochlodernden Feuer, aus dem fast ausgebrannten Holz glühende Kohlestückchen werden, die vor sich hinglimmen und dabei doch noch recht viel Wärme abgeben. Man muss nur ein wenig neues Holz hinzugeben und für die rechte Sauerstoffzufuhr sorgen, dann lodert das Feuer schnell wieder auf.
Glut ist also eine Konserve. Sie kommt vom Eigentlichen – dem Feuer – her, und will auch wieder zum Feuer hinführen.Das Feuer ist das Erstrebenswerte. Glut ist ein Wartezustand.
In gewisser Weise ist das ein Bild für die ganze Bibel. Die Bibel ist eine Schrift-Tradition, die aus einem großen Feuer, einem lebendigen Erleben entsteht. Menschen haben Situationen erlebt, Erfahrungen gemacht, Gott erlebt – und das hat sie entzündet und in Brand gesetzt. Ein Feuer ist entfacht, das hoch und hell brennt. Diese feurige Erfahrung ist geronnen zu Texten. Sie ist zur Glut verbrannt. Dabei hat sie viel von ihrer alten Kraft verloren, aber potentiell ist da immer noch Feuer. Es kann aus dieser Glut wieder Feuer werden. Es braucht dazu nur neues Holz und Sauerstoff. Eine Predigt soll eben das dem Gluttext hinzuführen.
Wir Menschen in der Kirche hüten diese Glut. Die Bibel liegt auf dem Altar wie ein Häufchen Glut im Kamin. Früher kannten die Menschen die Geschichten der Bibel. Sie lebten mit ihnen und aus ihnen. Sie sorgten für Feuer in ihrem Leben. Sie waren Modell und Anreiz. Die heutigen Kinder kennen vielleicht noch ein, zwei, drei Geschichten. Andere Erzählungen – Harry Potter oder der Herr der Ringe – sind bekannter als die Bibel und ihre Geschichten.

Wir wollen jetzt die Glut in einigen der alten Geschichten aufspüren, auch damit wir selber an ihnen Feuer fangen. Dazu ist die Glut in den Texten konserviert. Sie will wieder zu Feuer werden.

Wir wenden uns zuerst dem Geschichtenkranz um Moses zu. Alle Welt redet im Advent von Christus, von Bethlehem, von Hirten und Sternen – aber auch Moses war ein adventlicher Mensch. Er war ein Mensch des Wartens und ein Mensch des Feuers. Wie ist er dazu geworden?
Wir hören in der Bibel, dass er schon als Säugling ein gefährdeter Mensch war, wie Jesus, der als Baby von den Eltern nach Ägypten (ausgerechnet!) in Sicherheit gebracht werden musste. Moses wird von seiner Mutter in einer kleinen Arche dem Wasser, dem Nil übergeben. Er wird durch das Wasser hindurch gerettet, so wie er später das ganze Volk durch das Wasser hindurch, durchs Rote Meer hindurch, rettet. Moses erlebt selbst vorweg, wozu er später ausersehen ist.
Danach wächst Moses am Pharaonenhof auf mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Er erhält Anteil am Herrscherwissen der Ägypter und zugleich am Unterdrücktenbewusstsein der Sklaven, der Hebräer.
Er ist ein zerrissener Mensch – und das zeigt sich besonders als er zum Mörder wird und er einen Ägypter erschlägt.
Ist Moses ein Machtmensch, der ungezügelt drauflos schlägt? Die beiden Hebräer, die den Mord beobachten, vermuten es. Er könnte ein Mensch sein, der alles aus eigenem Machtstreben tut.
Also wird er gebrochen. Das geschieht zu seinen Gunsten. Er muss fliehen – aus dem Kulturland in die Wüste, ins Ödland. Schafe hüten, Nichtstun, Warten.
Es dauert lange, bis er sein entscheidendes Erlebnis mit Gott hat. Und es dauert noch länger, bis er endlich – seiner Bestimmung entsprechend – wirken kann. Es dauert lange bis er sein Volk in die Freiheit führen darf und ihm Gesetze gibt, nach denen es leben kann.
Die Bibel sagt, dass alles das GOTT tut, aber er tut es durch Moses. Bis dieser zu diesem Gottesinstrument geformt ist, braucht es lange Zeit. Seine anfängliche Gefährdung, seine Zerrissenheit, sein Mörder-u.Flüchtlingssein, sein Umherirren – alles das sind notwendige Stationen auf seinem Weg. Nur ganz langsam bildet sich das Feuer. Aber dann brennt es und es verändert die Welt. Nicht nur seine eigene, nicht nur die der Hebräer oder die der Ägypter. Die ganze Welt verändert sich, denn Gott tritt durch ihn ins Bewusstsein der Menschen. Aus diesem Ergehen wird eine Religion geboren.

Das alles wiederholt sich bei Jesus noch einmal – anders aber ganz ähnlich.

Und wie ist es bei uns?
Wir sind keine Religionsstifter,- aber warum eigentlich nicht? Wenn wir unser Leben und unsere Religion verlebendigten, wären wir vielleicht auch Religionsstifter. Vorerst aber sind wir nur Ägypter und Hebräer, Herren und Sklaven zugleich. Die Ägypter sind – psychologisch gesprochen – Machtmenschen aus eigener Vollkommenheit. Bei ihnen geht alles ungebrochen und glatt. Die Hebräer und Moses das aber sind die, die zerbrochen und zwiegeteilt, gezeichnet und zerrissen leben müssen. Ein solches Schicksal wünscht sich niemand, aber es ist uns doch als Lebensaufgabe aufgegeben. Wir sind nicht nur stolze Ägypter. Moses zeigt uns, dass der Weg durch Gebrochenheiten hindurchführt, wenn er tiefer ins Menschsein führen soll. Die Wunden können wir zu Perlen machen. Moses hätte nicht Menschen gerettet, wenn er zuvor nicht selber hätte gerettet werden müssen. Nur der ist ein guter Arzt, der an sich selbst gespürt hat, was Krankheit bedeutet.
Der Durchgang oder Durchbruch ist entscheidend: aus der Krankheit heraus Arzt werden, oder wie bei Moses: aus dem Sklavenhalter ein Befreier, aus dem gesetzlosen Mörder ein Gesetzgeber, aus dem Flüchtling ein Heimatfinder.
Gott führt die Menschen wundersame Wege. Auch uns führt er so.

Aber was ist exact die Glut in dieser Geschichte?

Der Lebensweg führt nicht gradlinig nach oben hinaus. So entstehen nur Strohfeuer. Das hält nicht lange vor. Erst durch mancherlei Verwundung wird der Mensch stark, wenn aus Wunden Stärken werden. Der Mensch, der keine Wunden kennt oder keine Verwundungen zulässt, ist nicht wirklich stark, mag er es sich auch einbilden. Stark ist, wen die Wunden auf neue Wege führen. Die Bibelglut führt uns immer erst nach unten, bevor sie uns hindurchführt, hinaus in die Höhe.
Auch im Advent gilt: Unsere Welt ist nicht so puderzucker-süß und weiß, wie sie zu Weihnachten gerne tut. Sie ist zerrissen und gespalten, gefährdet und gefährlich. Aber das ist alles kein Grund zur Verzweiflung. Wir müssen da hindurch, wenn wir wirklich weiterkommen wollen. Moses – aber nicht nur er – zeigt den Weg.

AMEN

Donnerstag, 1. Januar 2009

So beginnt es ...

FEUER UND GLUT

In den letzten zwei Jahren haben viele oft von der „Wiederkehr der Religion“ geredet und geschrieben, aber wahrscheinlich war das nur ein Thema für die Medien. Ein Thema, wie man viele Themen macht.

Wirkliche religiöse Betroffenheit oder religiöses Ergriffensein in der religiösen Gemeinschaft oder Kirche gibt es immer weniger. Die Kirchen leeren sich immer mehr. Es bleiben fast nur noch Alte. Die wenigen jungen Menschen sind komisch oder kommen sich komisch vor. Das Ritual erreicht die Menschen nicht mehr. Es wird zudem häufig so dürftig vollzogen, dass man mehr davon hat, wenn man wegbleibt und es nicht mehr mitvollzieht.

Ob aber die Menschen auch als Individuen, als Einzelne ihre religiösen Bezüge und Bedürfnisse verlieren, ist schwer zu sagen. Sicher gehen viele im äußeren Management ihres Lebens und ihrer Vergnügungen auf.. Ebenso sicher ist, dass eben so viele zugleich immer unzufriedener, unglücklicher, heimatloser und unsteter werden..

Sicher suchen manche einen individuellen religiösen Weg. Sie suchen den Schutz von Engeln oder personifizieren seelische Kräfte als Engel, um sich diese Kräfte vertraut zu machen. Viele schließen sich Suchbewegungen an und gehen alte Pilgerwege. Sie suchen eine Tiefe, die sie vorerst in sich nur ahnen, auf die sie aber nicht verzichten möchten. Einfach leben, ist viel zu wenig, vor allem wenn das Leben an seine Ränder gerät.

Die Welt ist – trotz oder gerade wegen des Klimawandels – kalt geworden, und die Menschen erkalten immer mehr, auch wenn sie sich erhitzen.
Die religiöse Tradition ist ebenso kalt geworden, steif, hart, alt.

Aber es ist noch GLUT da. Und Glut ist immer gut, ein Feuer anzuzünden. Lege ich mich als kaltes Scheit in die Nähe der Glut, fange ich Feuer.
Große Feuerwellen begannen immer mit der Bekanntschaft der Glut. Augustinus hörte „Nimm und lies“ – und entdeckte die alte Glut im alten Wort der Schrift neu. Luther las und verstand Paulus nach 1500 Jahren – und es war bald ein Feuer da, das ganz Europa verwandelte.

Wir haben einen Fundus an alten Geschichten, die die Bibel erzählt, aber die nur noch wenige kennen. Die Kinder wachsen nicht mehr mit ihnen auf.
Zwischen den Zeilen dieser Geschichten aber schwelt die Glut.

Vor einigen Jahren erschien ein kleines Büchlein. Ein Bilderbibelchen ohne Worte für die Hosentasche von Kleinkindern. Kindliche Bilder, die Szenen darstellen, die fragen machen: Was geschieht da? Warum und wozu geschieht es?
Die Betrachter leben in diese Bilder hinein. Sie fangen Feuer, lassen sich von einer Glut anstecken, entdecken in sich selber die gleiche Glut und sind Feuer und Flamme.

Nur leben, ist zu wenig. Immer mehr zu leben, ist immer weniger. Eine Liebe in sich lebendig zu halten, Glut zu entdecken, Feuer zu werden – darauf kommt es an, wenn das Leben gelingen soll.

In loser Folge möchte ich die Bilder des eben erwähnten Büchleins erzählen: Adam und Eva begegnen, Kain und Abel, Noah, Abraham, Moses, David, Jona, Jesus, Paulus, Petrus…
In allen brennt dieses Feuer – auf gleiche und verschiedene Weise. Manchmal ist für uns nur noch Glut spürbar. Aber sie will Feuer werden, auch wenn ich mich ihr nur als Holzklotz nähere. Gerade dann.