David und Goliath - 1.Samuel 17 - eine Strategie
Liebe Gemeinde,
niemand kann in diesen Tagen an der aktuellen Situation vorbeigehen. Es beschäftigt alle, also auch uns. Es wird gewählt in Deutschland und in Europa.
Ich habe den Eindruck, dass die Atmosphäre sogar aufgemischter ist als in früheren Zeiten. Es gibt eine größere Diskussionsfreude und Diskussionsbreite. Wahrscheinlich, weil es vor allem um wirtschaftliche Belange, vulgo ums Geld geht. Da ist jeder betroffen und interessiert. Ganz gleich, ob es eine echte Sorge ist, wenn es um Renten, um soziale Sicherungssysteme oder um die Steuern geht, oder ob es die blanke Raffgier ist, wenn Subventionen verhandelt werden,- interessiert sind alle.
Aufgabe der Kirche und des Pastors ist es nun nicht, Wahlempfehlungen oder gar Parteiempfehlungen zu geben. Jede demokratische Partei – von der sozialistischen Linken bis zur konservativen Rechten – ist für Christen wählbar. Ausgenommen sind nur die Radikal – Rechten, die unsere Grundordnung und unsere Grundwerte in Frage stellen. Empfehlungen braucht in der Kirche niemand, aber es geht uns um Werte.
Das sind unsere Fragen:
Wie eigentlich wird Macht begründet? Was drückt sich in ihrer Gestalt, in ihrem Daherkommen aus? Welche Werte stehen im Hintergrund? Um was geht es wirklich? Was soll durch Menschen für die Menschen gestaltet werden?
Aus den Antworten auf solche Fragen können dann Schlüsse gezogen werden.
Was sagen wir also zu den Machtbegründungen und zu den Werten? Lasst uns die Antwort in der Bibel suchen.
In einem Gruppengespräch haben wir uns neulich mit zwei unterschiedlichen Machttypen beschäftigt. Sie sind allgemein bekannt, aber werden im Gottesdienst nicht häufig traktiert: David und Goliath.
Wir wissen, dass David der eigentliche Sieger ist. Sein Sieg hat Geschichte, Kultur und sogar Religion begründet. Aber wie ist Davids Macht begründet? Welche Glut steckt in seiner Art, in seiner Kraft?
Zur Situation:
Die Eindringlinge ins Land sind die Israeliten – wohlgemerkt. Es sind Bauern- u. Hirtenhaufen mit dem Bauernkönig Saul an der Spitze, die sich im Land festsetzen wollen. Dabei bekommen sie es nun mit schon längst sesshaften Kulturvölkern zu tun. Die Kultur und auch das Recht scheint auf deren Seite zu liegen. Sie sind die Bürger, die Philister. Sie besitzen Kultur, auch Kriegskultur. Nicht alle sollen gegen alle kämpfen und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Einer allein soll es tun, stellvertretend für alle. Goliath ist der starke Mann.
Goliath ist ein lebender Panzer. Er ist der Prototyp eines aufgeblasenen und eingebildeten Kulturmenschen. Er beeindruckt mit Drohgebärden. Er schüchtert ein und fordert durch Beschimpfungen heraus. Er verlangt Ebenbürtigkeit: Mann gegen Mann, Schwert gegen Schwert. Alles auf gleicher Augenhöhe, dann wird man weitersehen. Die israelitischen Haufen bekommen Angst. So ist es beabsichtigt.
Nur einer lässt sich nicht beeindrucken: David.
Ist er ein Luftikus, der vor lauter jugendlichem Überschwang die Realität nicht richtig einschätzt? Oder steckt mehr – aber anderes – in ihm? Er scheint ein Naturbursche zu sein. Auf jeden Fall ist er ein Naturtalent. Unwillkürlich tritt die Davidfigur des Michelangelo vor unser inneres Auge.
In der eisernen Kultur-Rüstung kann dieser David sich nicht bewegen. Er kann so nicht gehen. Er zieht sie also wieder aus. Löwen und Bären hat er mit der bloßen Hand bezwungen. Am Erfolg ist er durchaus interessiert. Die Belohnung will er schon.
Die Bibel zögert nicht, David klein zu machen. So klein, wie nötig. Das scheint geradezu ihre Strategie zu sein. Als Samuel einen Nachfolger für Saul sucht, muss David erst vom Feld geholt werden. Er ist der Jüngste in der Familie. Jetzt bringt er nur fünf Steine aus dem Bach mit. Der ältere Bruder schickt ihn weg. Du willst nur gucken, was die Erwachsenen machen, sagt er. Nur König Saul hat ein richtiges Gespür. Ihm bleibt auch keine andere Wahl.
Worin besteht Davids Kraft?
Ist es seine jugendliche Unbekümmertheit, sein Wagemut, vielleicht sogar sein Übermut? Ist er womöglich eine Spielernatur?
Durch alles dieses allein hätte er nicht gewonnen. Sein Sieg wäre dann Zufall oder Glück gewesen. Er hätte auf tönernen Füßen gestanden. So begründet man keine Dynastie. Davids Kraft muss aus anderen Quellen kommen.
Auf dem Bild in der kleinen Hosentaschenbibel steht David im Licht. Was ist das für ein Licht? Was gibt ihm Licht und Kraft? Woher nimmt er das?
Es wird seine Bodenhaftung sein, die ihm hilft. David ist mit der Erde verbunden, geradezu eingewickelt in Erde. Er ist Schäfer und Hirte. Als Goliath ihn mit seinem Hirtenstock sieht, ruft der gepanzerte Krieger: Bin ich ein Hund?! So, wie du auftritts, bist du mir nicht ebenbürtig. Du bist nicht satisfaktionsfähig. Du eignest dich nicht zum Duell.
Aber genau das will David auch nicht. Es geht ihm eben nicht um Augenhöhe. Er kommt nun mal von unten, vom Boden weg.
David hat nichts als sich selber. Aber er kann mit sich umgehen. Wenn es sein muss, packt er Löwen und Bären mit den bloßen Händen.
Weil das so ist, ist Gott mit ihm. Gott potenziert Davids Kraft. Gott kommt nicht von außen – etwa als ein Schild - zu David hinzu, sondern er ist i n David, denn dieser ist „vom Acker“, aus Erde, ein neuer Adam.
Wir wissen bereits, wie die Geschichte ausgeht. David wird siegen, und er wird ein großer König Israels. Er wird auch die Kultur fördern, wobei es allerdings nicht so sehr um die Kriegstechnik geht. David ist ein Sänger, Tänzer, Musiker, Leierspieler. Er dichtet Psalmen und andere Gesänge, Hohelieder. So begründet er seinen Ruf – und seine Macht. Später wird er dann diese Macht allerdings auch wieder missbrauchen. Macht korrumpiert leider auch ihn. Aber David lässt sich auch brechen, auf ein menschliches Maß brechen. Er vergisst nicht, dass er letztlich vom Acker stammt. Er bleibt immer nah an den Problemen der Menschen. So ist er ein großer König.
Noch einmal wieder ins Aktuelle.
Haben wir unter unseren gegenwärtigen Politikern dem David ähnliche Charaktere? Die Frage stellen heißt sie verneinen. Unsere Politiker und Politikerinnen gleichen eher den aufgeblasenen Goliaths, die immer schon vorher wissen, wie die Schlacht auszugehen hat. In der Regel wissen sie schon vor der Wahl, was diese bringt.
Man möchte unsere politische Spezies nur zu gerne auf den Boden ziehen und ihnen vorschlagen, doch einmal nur einen Monat lang von der Sozialhilfe zu leben. Werdet zuerst Menschen, bevor ihr Menschen regieren wollt! Vielleicht würden die Gesetze dann andere werden. Vielleicht ginge es dann gar nicht mehr um das große Geld oder herausragende Wirtschaftserfolge. Vielleicht ginge es dann eher um Moral, die man dem Geld sehr wohl vorschreiben muss. Aus sich hat es die nicht. Vielleicht geht es dann wirklich um Arbeitsplätze und nicht nur um günstige Konditionen für mögliche Arbeitsplätze.
Für all das haben wir Christen einzutreten. Die Menschen dürfen nicht außen vor bleiben. Sie sind und bleiben die Mitte.
Wir wollen von Menschen regiert werden, die wissen, wie man Löwen und Bären bändigt – mit den eigenen Händen. Das heißt ja durch eigene Arbeit, durch Kontakt mit den Betroffenen und nicht vom fernen Schreibtisch aus. Wir brauchen Davids und nicht aufgeblasene Goliaths, die nur durch imposante Gesten, durch Bissigkeiten und Intrigen zu imponieren versuchen.
Zugegeben: Sie sind schwer zu finden. Leicht lässt man sich blenden von weiblichen und männlichen Goliaths.
Aber einzuklagen haben wir integre Politiker.
Vielleicht ist bei uns die Zeit noch nicht reif für David. Vielleicht haben wir nur die Wahl zwischen verschiedenen Übeln. Dann wählen wir hoffentlich das Kleinere.
Vergessen wir nur nicht: Gesiegt hat letztlich nur David. Da ist die Bibel – wie immer – ganz klar und tröstlich.
AMEN
Sonntag, 7. Juni 2009
Dienstag, 2. Juni 2009
CREDO
Credo der Gemeinde an der Lutherkirche in Bochum
In einem dreitägigen Gesprächsprozess haben ca. 30 Gemeindeglieder 2005 diesen Text als Glaubensbekenntnis für diese Zeit und für diese Gemeinde formuliert.
Wir glauben an GOTT, der die Liebe ist, die sich in der ganzen Schöpfung und in Jesus Christus zeigt und die alles durchwaltet.
Weil GOTT die Liebe ist, wissen wir, dass Religion nie mehr ein Grund für Gewalt sein darf.
Wir vertrauen darauf, dass in Jesus Christus alle Menschen die Einheit mit GOTT finden und zu einem neuen Leben erlöst werden.
Das befreit uns davon, egozentrisch um uns selbst zu kreisen.
Wir danken dafür, dass uns die Verkündigung von GOTTES Macht und Liebe über die Jahrtausende erreicht hat und bitten um die Kraft des Heiligen Geistes, die Botschaft unseren Kindern weiterzugeben und vorzuleben.
Wir möchten, dass die Kirche und unsere Gemeinde ökumenisch offen und gastfreundlich ist für alle Menschen auf der Suche nach GOTT und nach Sinn und Ziel ihres Lebens.
Wir vertrauen darauf, dass uns GOTT in seinem Wort und seinen Zeichen (Sakramenten) begegnet. Wir ehren GOTT im Gottesdienst durch Gebet, Singen und Stille. So werden wir gestärkt für unser alltägliches Leben.
Wir beten dafür, dass wir in unserer Gemeinde nicht müde werden, uns für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.
Wir wenden uns denen helfend zu, die zu Opfern von Menschen und Umständen werden.
Wir stehen bewusst und dankbar in der christlich-evangelischen Tradition und halten uns offen dafür, von GOTT und den Menschen in aller Welt zu lernen.
In unserem Tun lassen wir uns von unserem Gewissen und dem Heiligen Geist leiten.
AMEN
Pfingsten, 15. Mai 2005
In einem dreitägigen Gesprächsprozess haben ca. 30 Gemeindeglieder 2005 diesen Text als Glaubensbekenntnis für diese Zeit und für diese Gemeinde formuliert.
Wir glauben an GOTT, der die Liebe ist, die sich in der ganzen Schöpfung und in Jesus Christus zeigt und die alles durchwaltet.
Weil GOTT die Liebe ist, wissen wir, dass Religion nie mehr ein Grund für Gewalt sein darf.
Wir vertrauen darauf, dass in Jesus Christus alle Menschen die Einheit mit GOTT finden und zu einem neuen Leben erlöst werden.
Das befreit uns davon, egozentrisch um uns selbst zu kreisen.
Wir danken dafür, dass uns die Verkündigung von GOTTES Macht und Liebe über die Jahrtausende erreicht hat und bitten um die Kraft des Heiligen Geistes, die Botschaft unseren Kindern weiterzugeben und vorzuleben.
Wir möchten, dass die Kirche und unsere Gemeinde ökumenisch offen und gastfreundlich ist für alle Menschen auf der Suche nach GOTT und nach Sinn und Ziel ihres Lebens.
Wir vertrauen darauf, dass uns GOTT in seinem Wort und seinen Zeichen (Sakramenten) begegnet. Wir ehren GOTT im Gottesdienst durch Gebet, Singen und Stille. So werden wir gestärkt für unser alltägliches Leben.
Wir beten dafür, dass wir in unserer Gemeinde nicht müde werden, uns für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.
Wir wenden uns denen helfend zu, die zu Opfern von Menschen und Umständen werden.
Wir stehen bewusst und dankbar in der christlich-evangelischen Tradition und halten uns offen dafür, von GOTT und den Menschen in aller Welt zu lernen.
In unserem Tun lassen wir uns von unserem Gewissen und dem Heiligen Geist leiten.
AMEN
Pfingsten, 15. Mai 2005
Montag, 1. Juni 2009
Pfingstwunder - ein neues, altes
Pfingsten 2005 - Einheit in Verschiedenheit - Acta 2
Liebe pfingstliche Gemeinde,
ich habe schon mehr als einmal in verschiedenen Pfingstpredigten versucht zu erklären, was Pfingsten eigentlich bedeutet. Sicher bin ich nicht der einzige Prediger, der eben das versucht.
Und dennoch: die Menschen wissen trotzdem nicht, was das für ein Fest ist. Was feiern wir eigentlich? Es hat irgendwie mit dem Heiligen Geist zu tun oder mit dem Geburtstag der Kirche. Aber weshalb und wie – das ist weitgehend unbekannt.
In welcher Kulturvergessenheit leben wir eigentlich? Wir feiern ein Fest – 2 Tage sogar -, aber die meisten wissen nicht warum. Eigentlich dürfte nicht ich so fragen und Erklärungsversuche anstellen. Eigentlich wäre die ganze Angelegenheit umzukehren. Die unwissenden Menschen müssten fragen: Wieso feiern wir eigentlich? Was ist da wirklich, in der Tiefe und nicht nur an der Oberfläche geschehen? Sie müssten so fragen, weil sie das Unbekannte nicht einfach hinnehmen wollen. Dann könnte man gemeinsam nach einer Antwort suchen. Eine Erklärung, die wirklich greift, gibt es nämlich gar nicht. Dieses Fest ist nicht erklärbar. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum von allen Erklärungsversuchen nichts oder nur so wenig hängen bleibt.
Dieses Fest kann man nur erfahren oder erleben, und genau das bleibt hängen. So ist es ja immer: nur was man erlebt, bleibt im Gedächtnis. Was nur im Kopf geschieht, wird auch schnell wieder vergessen. Der Kopf reicht nicht für die Speicherung alles dessen, was durch ihn hindurchgeht. Eine Erfahrung müssten wir also suchen und nicht nur eine Erklärung.
Was zu Pfingsten geschehen ist, haben wir versucht, in einer Vorbereitungsgruppe zu dieser Glutpredigt herauszufinden. Ich bin zutiefst dankbar für dieses Gespräch. Noch im Nachhinein ist mir aufgegangen, welche tiefen Gedanken und Fragen wir berührt haben. So etwas ereignet sich nur, wenn nicht einer alleine nachdenkt, sondern wenn mehrere Menschen sich vernetzen und miteinander suchen. Dann wirkt schon der Heilige Geist, und Erfahrung stellt sich ein.
Eine unserer Fragen lautete z.B., welchen Zugang wir Menschen eigentlich zur Wirklichkeit haben. Wie ereignet sich Verstehen, Begreifen, Einleuchten? Das ist eine zugegebenermaßen recht abstrakte Frage, aber sie ist dennoch wesentlich.
Seit fast 400 Jahren denkt man in Europa, dass wir ausschließlich mit Hilfe unseres Verstandes und unserer Vernunft begreifen. Wir forschen, messen, zählen, wiegen, zerlegen. Wir denken dann nach und kombinieren. So wird unsere Welt eine ergriffene und begriffene Welt. Aus diesem Begreifen wächst dann eine Handhabung, eine Technik, mit der wir die Welt noch einmal anders – technisch – in den Griff nehmen. Was aber nicht im Verstand aufgeht, zählt eigentlich nicht. Es gibt es nicht, oder es ist schlichtweg unvernünftig. Besser, man lässt es auf sich beruhen.
Langsam dämmert uns heutzutage, dass das so nicht alles sein kann. Die vernünftige, technische Weltbemeisterung birgt auch viele Gefahren. Technik alleine ist ambivalent. Sie hilft, aber sie tötet auch.
Viele Aspekte des Lebens gehen wirklich in unserem Verstand allein nicht ein und auf – und sie zählen trotzdem. Alles Geheimnisvolle, das Wunderbare und Wunderhafte, das, was plötzlich da ist, und niemand weiß woher – die Liebe, die Rührung, das Mitgefühl – es bleibt dem Verstand rätselhaft. Jede Religion – im echten und guten Sinn – geht in der reinen Verstandeswelt nicht auf. Das Wunderbare muss unbegriffen bleiben, wenn es nicht zerstört werden soll. Eine zerlegte Blume ist eben kein Schöpfungswunder mehr.
Ein Philosoph unserer Tage (Sloterdijk?) hat sich neulich im Spiegel so geäußert: Religion weist uns darauf hin, dass wir das Ungeheure des Lebens nicht zureichend erfassen können. Unser Verstand reicht dazu nicht aus. Er begreift nur den engeren Sektor.
Damit sind wir wieder bei Pfingsten.
Da wird von einem anderen Zugang zur Wirklichkeit, von der größeren Möglichkeit erzählt. Die Bibel nennt das den „Heiligen Geist“. Er wirkt 1000 Möglichkeiten und unendliche Unmöglichkeiten. Man kann ihn nicht begreifen,- er ergreift uns. Man kann ihn auch nicht vorausschauend berechnen. Er kommt und geht wie der Wind und wie er will. Er brennt, entflammt, erleuchtet und verbrennt doch nichts. Er zerstört nicht, sondern belebt. Wie Feuer und Licht erhellt er alles. Die von ihm ergriffenen Menschen verstehen alles und sehen alles in einem anderen, neuen Licht. Er überfällt die Menschen, es erreicht sie und sie können nicht erklären, warum, weshalb, wieso.
Wer nur von außen, mit seinem Verstand das Phänomen betrachtet, begreift nichts. Der Verstand alleine sagt: Die sind betrunken, voll des süßen Weines. Das kann er analysieren, wenn er will.
Nur von innen aber versteht man, und man versteht sich, auch wenn jeder verschiedene Sprachen spricht.
Von außen wird eingeteilt: Kreter, Griechen, Römer, Juden; Mann, Frau; Alt, Jung.
Von innen, im Heiligen Geist, hat man an solcher Einteilung kein Interesse mehr. Von innen gesehen sind alle eins: Menschen, die im Geiste Gottes stehen.
Was die Außenstehenden sehr wohl erkennen, ist die Wirkung. Das Leben der Betroffenen ändert sich. Sie sehen mehr und handeln anders. Ihren Verstand gebrauchen sie auch – hoffentlich, aber sie verfügen auch noch über größere Erkenntnisquellen, die den Verstand erst in seine angemessene Position rücken. Die geistbewegten Menschen stehen im Geist, der sie lieben heißt und tief verstehen lässt, wie die Rätsel der Welt und des Lebens sich lösen, von Gott her lösen.
Petrus beginnt in seiner Pfingstpredigt, der ersten, dieses Phänomen den Außenstehenden zu erklären. Das ist nicht einfach, denn wie soll man Blinden die Farbe erklären? Wie kann man Verstandesgrenzen überschreiten, wenn dasselbe nur verdankt sein kann. Allenfalls kann man sich nicht widersetzen und einen Versuch zulassen.
Petrus erklärt, dass das alles nicht neu ist. Schon der Prophet Joel hat am Ende des 1. Bundes eine solche Geisterfahrung angekündigt. Auch er hat schon gewusst, dass es mehr gibt als das, was Menschen denken können. Diese Geisterfahrung hat nicht nur etwas Formales. Sie ist nicht nur eine Begabung oder eine besondere Fähigkeit. Ihr gehört auch ein besonderer Inhalt zu: Jesus, der Christus. Petrus sagt: Jesus lebt – von Gott auferweckt und mit dem Geist beschenkt. Sein Geist soll sich in uns fortsetzen. Er soll in uns Gestalt werden, damit wir zur unterschiedenen Einheit und zur gegenseitigen Zuwendung finden. Damit wir jedes Spalten und Abtrennen lassen. Ein solcher Geist ist eine große Macht, die sich auf die Menschen setzt.
Jemand in unserem Vorbereitungskreis hat gefragt, ob das wohl noch einmal kommt, dass sich all die zerspaltenen Menschen als die eine Einheit empfinden? Juden und Christen, Christen und Moslems, Abendland und Ferner Osten, Katholiken und Protestanten – und welche Spaltungen es sonst noch geben mag.
Babylon – die Nur-Rationalität und die sich ihr verdankende eindimensionale Technik haben die Trennungen – im Sinne der Wissenschaften – herbeigeführt. Das ist notwendig und wir verdanken dem viel. Aber es ist nicht alles.
Der Heilige Geist will das ändern. Er macht nicht gleich, er nivelliert nicht – das wäre nur eine Verarmung, aber er ermöglicht ein Verstehen gerade des Verschiedenen und Unterschiedenen. Die verschiedenen Sprachen bleiben alle, aber sie trennen nicht mehr. Der Heilige Geist spricht sie alle, nur Esperanto will er nicht verstehen. Man versteht sich trotz der verschiedenen Sprachen.
Zwei Bemerkungen zum Schluss:
In diesen Tagen wurde an das Kriegsende vor 60 Jahren gedacht, und in Berlin wurde das einzigartige Denkmal für die 6 Millionen ermordeten Juden eingeweiht. Da steht ein Mahnmal und Friedhof im Herzen unseres Landes. Ein tieferes Symbol kann es hier nicht geben. Was in der Zeit vor 60 Jahren geschah, war der Gipfel einer Fehlentwicklung des Menschen. Man hat Menschen noch mit kühlem Kalkül und mit technischer Perfektion gemordet – und damit die Menschlichkeit selbst getötet. Die Seele der Menschheit und aller Menschen ist durch diese Brutalität im Kern tödlich getroffen worden.
Der Heilige Geist will auch diese, die tiefste Wunde heilen und zusammenführen, was der Hass zertrennt hat. Er will Frieden und Versöhnung. Wir werden diese Heilung verstehen, annehmen und leben können, wenn wir uns vom Heiligen Geist entzünden lassen.
Und das zweite: Wir veröffentlichen heute unser Gemeindecredo und bekennen es. Etwa 30 Menschen haben diese Worte im Gemeindeseminar formuliert, und wir hoffen, dass sich auch noch viele andere in diesen Worten wiederfinden können. Es ist wichtig, den Geist dieser Worte aufzuspüren, um in ihnen das Wehen auch des Heiligen Geistes zu entdecken.
So wünschen wir es uns: Veni, Creator Spiritus - Komm, Heiliger Geist, Schöpfer! Erschaffe uns neu!
AMEN
Liebe pfingstliche Gemeinde,
ich habe schon mehr als einmal in verschiedenen Pfingstpredigten versucht zu erklären, was Pfingsten eigentlich bedeutet. Sicher bin ich nicht der einzige Prediger, der eben das versucht.
Und dennoch: die Menschen wissen trotzdem nicht, was das für ein Fest ist. Was feiern wir eigentlich? Es hat irgendwie mit dem Heiligen Geist zu tun oder mit dem Geburtstag der Kirche. Aber weshalb und wie – das ist weitgehend unbekannt.
In welcher Kulturvergessenheit leben wir eigentlich? Wir feiern ein Fest – 2 Tage sogar -, aber die meisten wissen nicht warum. Eigentlich dürfte nicht ich so fragen und Erklärungsversuche anstellen. Eigentlich wäre die ganze Angelegenheit umzukehren. Die unwissenden Menschen müssten fragen: Wieso feiern wir eigentlich? Was ist da wirklich, in der Tiefe und nicht nur an der Oberfläche geschehen? Sie müssten so fragen, weil sie das Unbekannte nicht einfach hinnehmen wollen. Dann könnte man gemeinsam nach einer Antwort suchen. Eine Erklärung, die wirklich greift, gibt es nämlich gar nicht. Dieses Fest ist nicht erklärbar. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum von allen Erklärungsversuchen nichts oder nur so wenig hängen bleibt.
Dieses Fest kann man nur erfahren oder erleben, und genau das bleibt hängen. So ist es ja immer: nur was man erlebt, bleibt im Gedächtnis. Was nur im Kopf geschieht, wird auch schnell wieder vergessen. Der Kopf reicht nicht für die Speicherung alles dessen, was durch ihn hindurchgeht. Eine Erfahrung müssten wir also suchen und nicht nur eine Erklärung.
Was zu Pfingsten geschehen ist, haben wir versucht, in einer Vorbereitungsgruppe zu dieser Glutpredigt herauszufinden. Ich bin zutiefst dankbar für dieses Gespräch. Noch im Nachhinein ist mir aufgegangen, welche tiefen Gedanken und Fragen wir berührt haben. So etwas ereignet sich nur, wenn nicht einer alleine nachdenkt, sondern wenn mehrere Menschen sich vernetzen und miteinander suchen. Dann wirkt schon der Heilige Geist, und Erfahrung stellt sich ein.
Eine unserer Fragen lautete z.B., welchen Zugang wir Menschen eigentlich zur Wirklichkeit haben. Wie ereignet sich Verstehen, Begreifen, Einleuchten? Das ist eine zugegebenermaßen recht abstrakte Frage, aber sie ist dennoch wesentlich.
Seit fast 400 Jahren denkt man in Europa, dass wir ausschließlich mit Hilfe unseres Verstandes und unserer Vernunft begreifen. Wir forschen, messen, zählen, wiegen, zerlegen. Wir denken dann nach und kombinieren. So wird unsere Welt eine ergriffene und begriffene Welt. Aus diesem Begreifen wächst dann eine Handhabung, eine Technik, mit der wir die Welt noch einmal anders – technisch – in den Griff nehmen. Was aber nicht im Verstand aufgeht, zählt eigentlich nicht. Es gibt es nicht, oder es ist schlichtweg unvernünftig. Besser, man lässt es auf sich beruhen.
Langsam dämmert uns heutzutage, dass das so nicht alles sein kann. Die vernünftige, technische Weltbemeisterung birgt auch viele Gefahren. Technik alleine ist ambivalent. Sie hilft, aber sie tötet auch.
Viele Aspekte des Lebens gehen wirklich in unserem Verstand allein nicht ein und auf – und sie zählen trotzdem. Alles Geheimnisvolle, das Wunderbare und Wunderhafte, das, was plötzlich da ist, und niemand weiß woher – die Liebe, die Rührung, das Mitgefühl – es bleibt dem Verstand rätselhaft. Jede Religion – im echten und guten Sinn – geht in der reinen Verstandeswelt nicht auf. Das Wunderbare muss unbegriffen bleiben, wenn es nicht zerstört werden soll. Eine zerlegte Blume ist eben kein Schöpfungswunder mehr.
Ein Philosoph unserer Tage (Sloterdijk?) hat sich neulich im Spiegel so geäußert: Religion weist uns darauf hin, dass wir das Ungeheure des Lebens nicht zureichend erfassen können. Unser Verstand reicht dazu nicht aus. Er begreift nur den engeren Sektor.
Damit sind wir wieder bei Pfingsten.
Da wird von einem anderen Zugang zur Wirklichkeit, von der größeren Möglichkeit erzählt. Die Bibel nennt das den „Heiligen Geist“. Er wirkt 1000 Möglichkeiten und unendliche Unmöglichkeiten. Man kann ihn nicht begreifen,- er ergreift uns. Man kann ihn auch nicht vorausschauend berechnen. Er kommt und geht wie der Wind und wie er will. Er brennt, entflammt, erleuchtet und verbrennt doch nichts. Er zerstört nicht, sondern belebt. Wie Feuer und Licht erhellt er alles. Die von ihm ergriffenen Menschen verstehen alles und sehen alles in einem anderen, neuen Licht. Er überfällt die Menschen, es erreicht sie und sie können nicht erklären, warum, weshalb, wieso.
Wer nur von außen, mit seinem Verstand das Phänomen betrachtet, begreift nichts. Der Verstand alleine sagt: Die sind betrunken, voll des süßen Weines. Das kann er analysieren, wenn er will.
Nur von innen aber versteht man, und man versteht sich, auch wenn jeder verschiedene Sprachen spricht.
Von außen wird eingeteilt: Kreter, Griechen, Römer, Juden; Mann, Frau; Alt, Jung.
Von innen, im Heiligen Geist, hat man an solcher Einteilung kein Interesse mehr. Von innen gesehen sind alle eins: Menschen, die im Geiste Gottes stehen.
Was die Außenstehenden sehr wohl erkennen, ist die Wirkung. Das Leben der Betroffenen ändert sich. Sie sehen mehr und handeln anders. Ihren Verstand gebrauchen sie auch – hoffentlich, aber sie verfügen auch noch über größere Erkenntnisquellen, die den Verstand erst in seine angemessene Position rücken. Die geistbewegten Menschen stehen im Geist, der sie lieben heißt und tief verstehen lässt, wie die Rätsel der Welt und des Lebens sich lösen, von Gott her lösen.
Petrus beginnt in seiner Pfingstpredigt, der ersten, dieses Phänomen den Außenstehenden zu erklären. Das ist nicht einfach, denn wie soll man Blinden die Farbe erklären? Wie kann man Verstandesgrenzen überschreiten, wenn dasselbe nur verdankt sein kann. Allenfalls kann man sich nicht widersetzen und einen Versuch zulassen.
Petrus erklärt, dass das alles nicht neu ist. Schon der Prophet Joel hat am Ende des 1. Bundes eine solche Geisterfahrung angekündigt. Auch er hat schon gewusst, dass es mehr gibt als das, was Menschen denken können. Diese Geisterfahrung hat nicht nur etwas Formales. Sie ist nicht nur eine Begabung oder eine besondere Fähigkeit. Ihr gehört auch ein besonderer Inhalt zu: Jesus, der Christus. Petrus sagt: Jesus lebt – von Gott auferweckt und mit dem Geist beschenkt. Sein Geist soll sich in uns fortsetzen. Er soll in uns Gestalt werden, damit wir zur unterschiedenen Einheit und zur gegenseitigen Zuwendung finden. Damit wir jedes Spalten und Abtrennen lassen. Ein solcher Geist ist eine große Macht, die sich auf die Menschen setzt.
Jemand in unserem Vorbereitungskreis hat gefragt, ob das wohl noch einmal kommt, dass sich all die zerspaltenen Menschen als die eine Einheit empfinden? Juden und Christen, Christen und Moslems, Abendland und Ferner Osten, Katholiken und Protestanten – und welche Spaltungen es sonst noch geben mag.
Babylon – die Nur-Rationalität und die sich ihr verdankende eindimensionale Technik haben die Trennungen – im Sinne der Wissenschaften – herbeigeführt. Das ist notwendig und wir verdanken dem viel. Aber es ist nicht alles.
Der Heilige Geist will das ändern. Er macht nicht gleich, er nivelliert nicht – das wäre nur eine Verarmung, aber er ermöglicht ein Verstehen gerade des Verschiedenen und Unterschiedenen. Die verschiedenen Sprachen bleiben alle, aber sie trennen nicht mehr. Der Heilige Geist spricht sie alle, nur Esperanto will er nicht verstehen. Man versteht sich trotz der verschiedenen Sprachen.
Zwei Bemerkungen zum Schluss:
In diesen Tagen wurde an das Kriegsende vor 60 Jahren gedacht, und in Berlin wurde das einzigartige Denkmal für die 6 Millionen ermordeten Juden eingeweiht. Da steht ein Mahnmal und Friedhof im Herzen unseres Landes. Ein tieferes Symbol kann es hier nicht geben. Was in der Zeit vor 60 Jahren geschah, war der Gipfel einer Fehlentwicklung des Menschen. Man hat Menschen noch mit kühlem Kalkül und mit technischer Perfektion gemordet – und damit die Menschlichkeit selbst getötet. Die Seele der Menschheit und aller Menschen ist durch diese Brutalität im Kern tödlich getroffen worden.
Der Heilige Geist will auch diese, die tiefste Wunde heilen und zusammenführen, was der Hass zertrennt hat. Er will Frieden und Versöhnung. Wir werden diese Heilung verstehen, annehmen und leben können, wenn wir uns vom Heiligen Geist entzünden lassen.
Und das zweite: Wir veröffentlichen heute unser Gemeindecredo und bekennen es. Etwa 30 Menschen haben diese Worte im Gemeindeseminar formuliert, und wir hoffen, dass sich auch noch viele andere in diesen Worten wiederfinden können. Es ist wichtig, den Geist dieser Worte aufzuspüren, um in ihnen das Wehen auch des Heiligen Geistes zu entdecken.
So wünschen wir es uns: Veni, Creator Spiritus - Komm, Heiliger Geist, Schöpfer! Erschaffe uns neu!
AMEN
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